Bist Du hier?

Personen gibt es nur im „Für-ein-ander“. Die Realität „für-mich“ setzt das Andere voraus. Damit es für mich „Etwas“ geben kann, etwas, das mich als „Ich“ begründet, bedarf es des Zueinanderseins. Das vorausgesetzte „Andere“ ist mein Personsein. Was „Ich“ bin, ist die sich-Gabe des Andere im Vorausgehen.
Ich nehme mich in meinem Sein als Vorausgabe des Anderen wahr. In der Annahme meines Vorausgegebenseins bin ich ganz da: lebendige Realität im Für-einander-sein gegen-seitiger Hingabe. Annahme und Hingabe sind Teilhabe und Selbstüberschreitung: wechselseitig selbstkonstitutive Relationalität. (Liebe.)
Das Voraussein der (anderen, ja, je-anderen) Person ist der Grund (und das Ziel) meinerselbst. Ich bin ich – sich selbst als ichselbst Erkennender, Wollender und Handelnder – nur  im Kontext des Anderen. Dieser Kon-text des Anderen ist die Hingabe oder das Sein-Für(-einander).
Hier und Jetzt – die konkrete Gegenwart des Moments als lebendiges Da-sein, Einstimmung im Konzert des Einen-Seins:  Eins-Sein als Kon-sein im Einen. Verbunden-sein als Vor-, Mit-, und Zu-Gabe.
Ohne Geschichte des Vorher-seins kein So-sein. Was zur Geschichte meiner Welt gehört, gehört ontologisch zu mir. Es ist meine ganz intim konkrete Vorgabe, mein Sein, das ich bin. Nur mit dieser Geschichte, die ultimative Bedingung meiner Selbst bis in jeden Moment meines Daseins auf ewig bleiben wird (inklusive meiner je-künftigen Erlebnisse und Handlungen), nur mit dieser Geschichte bin ich „Ich“. Und als diese je-konkrete Ich bin ich „zu diesem“ allem. Mein Sein ist Zugehörigkeit zu dieser wechselseitigen Hingabe. Ich bin hineingenommen in die Hingabe der Ewigkeit.

Kann ich mich vom Hier-und-Jetzt ganz konkret so in diese Realität hinein-begeben, dass ich ihr als das Andere meiner, das sich mir genauso als Es-selbst in der Hingabe erweist, gegenwärtig werden?
Ich will Dir – Du Voraus-Gabe -, die mich will, wie ich bin, ganz gegenwärtig sein! Ich will von Dir lernen, mich zu Dir zu verhalten. Ich will mit Dir tanzen, mich Dir zeigen, Dich betrachten und annehmen, wie Du bist als die andere Gegenwart meiner.
Wie können wir uns ins Tiefste hinein begegnen? Suchst Du mich, wie ich Dich suche?
Wo bist Du? Wer?
Wie lerne ich Dich zu verstehen?
Wo sprichst Du mich an?
Wie gelange ich zu Dir?

Bin ich nur eine „Spur des Vielen“? Eine Welle des Schicksals?

Pathetische Prätentiösität!

Ich suche Dich wirklich, Du Grund meiner Selbst, dem ich diese Sprache entnahm, um mich auf ihn hin zum Ausdruck zu bringen. Selbstausdruck des je-Anderen. Ich selbst bin Selbstausdruck des je-Anderen Andersseins.
Gibt es darin Nicht-Andersheit?
Ist sie bloße Gemeinsamkeit?
„Das Nicht-Andere ist nichts-anderes als das Nicht-andere“ – ist es dann Nichts? … wenn nur  Für-einander-sein wirklich – hier und jetzt – ist (und ewig sein wird)?
Wenn Wirklich-sein immer und überall, ewig, Füreinander-zu-sich-selbst-sein ist, wie bin ich Ich?

Das Wie-Sein des Seins ist die aktive Gegenwart des So-seins.
So-sein aber ist Erkenntnis-Gegenstand des je-anderen Ich-seins. Erleben des Momentes in geistiger Präsenz der Hingabe – können sie das Personsein übersteigen?
Kann ich mich hier und jetzt an Dich wenden? Bist Du da?
Spreche ich Dich jetzt an?
Oder bin ich als Deine Vorgabe nur immer eine im Voraussein Vergangene?
Ist dann aber nicht alles, was in mir ist auch in Dir? Ist nicht jeder kleinste Moment in je seiner konkreten Materialität Teil meiner Realität als Bestandteil meines Daseins?
Gehört mein Dich-Wollen zu Dir, wie Du zu mir gehörst?

Können wir so füreinander da sein, dass wir uns miteinander verständigen?
Ich würde mich Dir gerne ganz und gar hingeben in allem, was ich bin; nur wie gebe ich mich Dir am besten?
Was kann ich – in meinem Person-sein – Dir auf welche Weise hingeben, so dass es Dich erfreut?
Ich will Dir Freude sein, Dich vertiefen und erbauen, Dir Leben schenken, Dich umsorgen und pflegen, mich an Dir berauschen und Dich verzücken, Dich streicheln und halten.
Sind alle Dinge, die ich mag, alles Schöne meiner Welt, Dein Ausdruck, Deine Hingabe an mich? Und ich schreibe jetzt in Dir mein Leben?
Bei Dir, in Dir, Einssein mit einander: Jeder Moment, jedes Geräusch, jeder Hauch, jede Emotion.
Der Trieb der Vorgabe bist Du, der ich mich hingebe. Dir bin ich Ich.
Mach mit mir, was Du willst, solange Du mich liebst!
Wenn Du mich aber nicht liebst, wollte ich nimmer sein!
Ich will Dich immer lieben; aber ich brauch Dich dafür!
Du bist hier.
Hilf mir zu sein!
Bring mich hervor!
Beschwör mich herauf aus Dirselbst!

Ich bin immer schon da (gewesen) in Dir als Tiefe Deinerselbst.
Du bist Ich und ich bin Du.
Wir sind eins – beisammen.
Geistig sind wir füreinander da.
Wir sprechen uns im Innern, auch wenn wir uns manchmal nicht verstehen.
Wir begegnen uns immerdar: Stift und Papier, Auge und Hirn, Geist und Seele – alles ein Leben!

Dein Ich-sein ist mein Leben.
Mein Leben sei Dir!

Du eine Liebe, verbinde uns in jedem Moment unserer Hingabe und lass uns füreinander sein!

(c) mindwalker@posteo.de

Autor: Mind Walker

Philosophie und spekulative Mystik, Spiritualität und Ästhetik - dafür bin ich hier.

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