Zeiten, Orte, Menschen – Existenzen …

… eigene Welten, kleine Mittelpunkte des ganzen Seins: überall!

Und ich? Selbst bin ich nichts anderes als das, ausgezeichnet eben nur durch diese bestimmte Individualitätsform. So bin ich das Ganze auf meine Weise, und doch bin ich nicht erfüllt, wie das Ganze sein sollte, sondern begrenzt, verendlicht auf diese meine Form.

Ist sie denn nichts anderes als eben meine Art zu „fehlen“ – meine ganze besondere Weise, das „Nicht“ des Seins, d.i. diese Welt zu sein? Welchen Wert hat das?

Ich bin da, und Dasein als Seinsweise ist wertvoll. Und doch bin ich in meiner Individualität ja nicht gerade zuerst diese Seinsweise, oder doch? Kranke ich daran, dass ich zu sehr diesen Mangel, die Beschränkungen, diese mich individuierenden „Nichte“ im Auge trage – einem Balken gleich?

Was bin ich aber ohne sie? Ist „ohne sie“ nicht wiederum ein „Nicht“? Dialektische Überhebung! Warum „bin“ ich nicht? Und was wollte ich „sein“? Warum sollte „mein Wollen“ sein? „Sein“ soll sein und ist deshalb gut – aber weshalb und was heißt das für mich und mein „Dasein“?

Ich kann ja nur „sein“, wenn ich auch „da“ bin. Daran hängt meine Individualität – mein „Ich“. Aber wie sollte ich es „aufgeben“? Die asketische Distanz zu meinen individuellen Wünschen und Bedürfnissen macht mich nicht zum Sein und würde es nie. Immer bleibe ich „Ich“, „Dasein“, solange ich „bin“. Und hörte „Ich“ auf zu sein, was „wäre“ dann? Anderes Dasein?

„Ohne mich könnt‘ Gott nicht ein Nu leben; denn werd‘ ich zunicht, müsste Er vor Not den Geist aufgeben.“ (Angelus Silesius)

… müßige Gedanken?!

Da bin ich nun, wie ich bin – mit all meinen Grenzen, mir allem, was mich bewegt. Und ich selbst? Bewege ich? Ich meine: Bewege ich nicht nur aus dem Impuls von anderem heraus, sondern wirklich selbst?

Und warum wollte ich dies? Will ich denn wahrhaft ich sein – so wie ich bin? … all das, was ich an mir hasse, was mich geradezu anekelt – einerseits -, all das, was ich „überwunden“ habe, all das, was (vielleicht) „wahrhaft“ „gut“ war – andererseits…

Oh, Du letzter Grund alles Seins, Du mich erhaltender Kern … Du allein „siehst“, was ich bin. Welchen Weg soll ich gehen? Du Unbeschreiblicher – siehst Du die Sehnsucht meines Herzens, die ich niemals recht in diese Welt hinein zu deuten weiß? Hast Du sie mir eingepflanzt? Oder ist sie bloße Frucht meines Wahnes?

Du siehst, wie schwer es mir fällt, was ich (äußerlich und innerlich) alles überwinde – unter Angst und Schmerzen! Es ist so schwer für mich; und das schon bei diesen kleinen Bisschen! Nichts „Großes“ ist in mir, doch wie oft gebe ich mich groß oder größer als andere – dabei bin ich klein, nahezu nichts. – uns selbst das bin ich nicht, weil es schon wieder etwas wäre, auf das ich mich zurückziehen könnte.

Was bin ich?

Mein Herz, wo bist Du? Tief, tief hinab sinkt meine Seele, hinab in altvertraute Gefilde – doch dort bist Du nicht, mein Herz …

Zurück wendet sich mein Geist, hin zu vergangenen Zeiten, die im Rückblick, selbst in ihren dunkelsten Farben, so anziehend schillern – doch auch dort bist Du nicht, mein Herz …

Weit, weit hinaus drängt mein Streben, hinaus in unbestimmte Weiten, die in ihrer unergründlichen Düsternis ängstigen, aber dennoch zu hoffen geben – bist Du dort, mein Herz? Ich sehe Dich nicht.

Sehnsucht, Du Verzehrende, nach Liebe und fürsorglicher Milde gegenüber meinen Fehlern, Sehnsucht nach Anerkennung meiner Selbst und Freude über gemeinsames Sein – bist Du mein Herz?

… mein Herz, können wir gemeinsam sein? Du und ich, miteinander, zueinander ineineinander aufgehend …

… Du fehlst mir so, mein Herz!

… ich brauche Dich!

Wo nur bist Du, mein Herz?

© Mindwalker@posteo.de

Autor: Mind Walker

Philosophie und spekulative Mystik, Spiritualität und Ästhetik - dafür bin ich hier.

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