Was bedeutet „Geschichte“ ?

Geschichte – das sind raumzeitlich gebundene Abläufe von Ereignissen, miteinander verschränkt bis ins allerletzte Glied. Jeder Teil der Geschichte ist zugleich Teilhaber und Teilnehmer. Im Vordergrund – präsent – ist die aktive Fortentwicklung. Sie geht als ständige Selbstüberschreitung aus von der (Selbst-)Erfahrung. Alles ist Erfahrung.

„Unabhängig von der Erfahrung ist nichts, nichts, nichts – reines Nichts“ (Whitehead)

Aber nur retro-spektiv, als Erfahrenes, wird die Erfahrung fassbar. Sie wird gefasst im Narrativ einer Perspektive, die sich anderen mitteilt. Nur im Dialog entsteht die Bestimmung. Die Bestimmung des Einzelnen geschieht im Kollektiv der Perspektiven. Keine Perspektive ist je nur für sich. Perspektivität ist wechselseitig konstitutive Erfahrung: Erfahrung im Erfahren-Werden.

Der Ursprung der Erfahrung ist das Dasein der Erfahrung als (Selbst-)Hingabe. Hingabe zur Selbstentwicklung in je komplexere, intensiviertere Erfahrung. Wechselseitige Selbstbestimmung im sich hingebenden Tanz der Perspektivität.
Sie ist jedoch keine bloße (sich zauberhaft selbstvermehrende) Pluralität, sondern wesentliche Einheit: sich empfangende und darin zugleich vollziehende Erfahrung. Sich als Selbsthingabe zu empfangen ist die Dynamik der Erfahrung. Durch sie sind alle Perspektiven als individuelle doch vereint. Es ist nicht nur die bloße Raumzeitlichkeit – vorgestellt als Individuen beinhaltender Container oder Hume’sches Theater der Erscheinungen -, sondern die lebendige Bezogenheit, die jede Perspektive in ihrer Bestimmtheit ausmacht.

Jedes geschichtliche Ereignis „erzählt“ sich selbst. Es bietet sich anderem dar, indem es erfährt. Gemachte Erfahrung ist die Geschichte von Ereignissen. Wir artikulieren sie im weitesten Sinne sprachlich (in Form jedes noch so geringen Selbstausdruckes, sei er auch unbewusst psychosomatisch).

Wir sind – als Erfahrende – geschichtlich verfasste Selbstartikulation. Wir erzählen uns selbst in die Geschichte der Welt hinein.

Magic Mushrooms and Spirituality

Für darüber hinausgehend Interessierte gibt es hier noch einen kleinen Artikel:

„We get so lost in the stories of our lives that we sometimes forget what an incredible thing it is to be aware.“
„The heightened sense of altruism and interconnectedness one experiences after taking psilocybin in the right conditions could help our society and the world.“

Biographische Daten von Roland R. Griffiths:
„Roland Griffiths, Ph.D., is Professor in the Departments of Psychiatry and Neurosciences at the Johns Hopkins University School of Medicine. His principal research focus in both clinical and preclinical laboratories has been on the behavioral and subjective effects of mood-altering drugs. His research has been largely supported by grants from the National Institute on Health and he is author of over 360 journal articles and book chapters. He has been a consultant to the National Institutes of Health, and to numerous pharmaceutical companies in the development of new psychotropic drugs. He is also currently a member of the Expert Advisory Panel on Drug Dependence for the World Health Organization. He has conducted extensive research with sedative-hypnotics, caffeine, and novel mood-altering drugs. In 1999 he initiated a research program at Johns Hopkins investigating the effects of the classic hallucinogen psilocybin that includes studies of psilocybin-occasioned mystical-type experiences in healthy volunteers, psilocybin-facilitated treatment of psychological distress in cancer patients, psilocybin-facilitated treatment of cigarette smoking cessation, psilocybin effects in beginning and long-term meditators, and psilocybin effects in religious leaders. Drug interaction studies and brain imaging studies (fMRI and PET) are examining pharmacological and neural mechanisms of action. The Hopkins laboratory has also conducted a recent series of internet survey studies characterizing the effects hallucinogen-occasioned mystical experiences, challenging experiences, and effects on substance abuse.“

(Quelle: https://www.hopkinsmedicine.org/profiles/results/directory/profile/1311852/roland-griffiths )

Es gibt keine zwingenden Beweise!

Viele sind auf der Suche nach der wahren Weltanschauung, der Weltformel oder tieferer Einsicht in das Wesen der Dinge. Wir suchen häufig, indem wir Fragen stellen, uns Argumentationen anhören oder lesend erschließen. Das Argument steht im Zentrum des Mainstreams der aktuell erfolgreichen (analytischen) Philosophie.

Dennoch gibt es keine Überzeugung, die man gegen den eigenen Willen erwerben kann. Von jemandem zu verlangen, die eigene Ansicht durch ein Argument zu brechen, funktioniert besonders im Bereich der Metaphysik schlechthin nicht. Wir können zwar in naturwissenschaftlichen Bereichen auf Studien und ihre Experimente verweisen. Aber auch sie setzen ein Studieninteresse, eine Rahmentheorie und eine Interpretation der (Mess-)Ergebnisse voraus.

Bei allem, was wir tun, inklusive unserer vollzogenen Erkenntnis, sind wir stets Handelnde. Wir sind von Wünschen und Überzeugungen Geleitete. Das heißt nicht notwendig, dass diese Wünsche und Überzeugungen unser Handeln und mithin unser Erkennen als Handlungsvollzug vollständig bestimmen. Aber sie bedingen es zu einem nicht unerheblichen Teil mit. So wenig, wie sich diese Bedingungen einfach wegabstrahieren lassen – vor allem in konkreten Situationen -, so wenig reichen sie aber hin, für das, was wir „Einsicht“ nennen. Das betrifft aber auch den Weg rationaler Argumentation. Auch er ist kein Mechanismus, der – angenommen er ist ohne Fehler konstruiert – sein Ergebnis einfach hin verbürgt. Er ist ein Weg, über den man etwas einsehen kann, wenn man bereit ist, sich auf ihn einzulassen. Am Anfang steht aber das Anvertrauen. Das Vertrauen, dass die Methode, dieses Weges für einen autoritatives Gewicht hat.

Insbesondere in der Philosophie gilt, wie Gottfried Gabriel (in: Information Philosophie 2 (2017), 44) schreibt:

„Grenzen der Begriffsanalyse tun sich zwar nicht in der Sache auf, aber im Blick auf deren Akzeptanz, wenn die Zustimmung verweigert wird. Unterscheidungen können nämlich nicht andemonstriert, sondern lediglich ansinnend plausibel gemacht werden. Daher hat deren Begründung oder Zurückweisung – der Nachweis ihrer Adäquatheit oder Inadäquatheit – keinen beweisenden, sondern einzig einen aufweisenden Charakter.“

Insbesondere die Methode der Phänomenologie lebt davon, dass man sich gemeinsam auf einen dialogischen Weg einlässt. Die Kraft des zwingenden Argumentes wird nicht einfach geleugnet, aber sie ist nachrangig hinter dem Erkenntnisinteresse. Ziel ist die Erkenntnis, nicht als durch Kohärenz, Konsistenz und Erklärungskraft möglichst zwingendes Begriffssystem, das sich im Wettbewerb der Theorien als „fittest survivor“ herausstellt, sondern die existenzielle Einsicht dahinein, was wir mit Theorien versuchen wollen, zu artikulieren und zu verstehen.

Die Mathematik mag von ihren Axiomen aus noch so zwingend sein. Die Frage, was wir durch sie von der Wirklichkeit einsehen, ist nicht unmittelbar klar (sind es die geistigen Strukturen unseres Denkens, die nun einmal, evolutionsbiologisch herausgebildet, faktisch sind wie sie sind, und nicht mehr; oder ist es die abstrakt universal begreifbare Struktur der Wirklichkeit selbst?).

Wenn wir nach der Realität als solcher und im Ganzen fragen, nach dem Unbedingten, dem Selbstzweck oder dem Sinn, dann kommen wir nicht ohne Freiheitsakt zu unserem Ziel: Wir müssen uns darauf einlassen, radikal (bis an die letzte Wurzel) alles in Frage zu stellen. Dafür benötigen wir auch die Begriffsanalyse und die strengen Argumente. Aber, wenn wir beim Vollzug des Unterscheidens selber angelangen, an die Bedingungen des Begriffs, ist der nächste Schritt keiner mehr, der begrifflich erzwungen werden könnte.

Der tranzendentale Schritt, ist ein Schritt der freien Zustimmung. Denn, wenn die wirklich existenziell bedeutenden Fragen erst dort anfangen, wo die Begriffsanalyse aufhört, d.i. jenseits des diskursiven Denkvermögens, dann sind hermeneutische Methoden des Verstehens gefragt. Mit anderen Worten: Niemand kann einen zu einer Weltanschauung zwingen. Wir entscheiden uns – bestenfalls auf Grundlage bestimmter Argumente und nicht nur aufgrund der Vorurteile unserer Wünsche und Überzeugungen – frei für sie.

Kann man aber dann überhaupt über Weltanschauungen sinnvoll diskutieren?

Das spekulative Denken sollte gerade hier das Moment der freien Zustimmung hervorheben, aber zurückhalten. Es sollte sich erst einmal im theoretischen Betrachten – auch über die Argumentationen hinaus dem Lebensgefühl nachspürend – üben.

Wer nicht nur andere, sonderb auch seine eigene Weltanschauung in Frage stellt, und wahrhaft sucht, der möchte dass sich die Realität selbst zeigt. Sie soll sich als das zeigen, was sie ist, nicht nur als das, wie wir sie gerne hätten oder aufgrund bestimmter Theorien vorkonstruieren. Sie kann sich aber nur zeigen, wenn wir auf sie aufmerksam, ohne voreilige Versuche begrifflicher Abstraktion. Zu begreifen bedeutet, verallgemeinern, anhand von Vergleichen und Unterscheidungen „etwas Bestimmtes“ mitteilen. Doch die Realität selbst ist als Grund aller Bestimmung immer mehr als nur „etwas Bestimmtes“. Sie ist selbst schon „größer als alles, was gedacht werden kann“, weil sie Bedingung der Möglichkeit des Denkens ist. Als solche geht sie jedem unterscheidenden Zugriff voraus, genauso wie wir uns als aktiv Erkennende nie begirfflich erkennen können, ohne uns bereits dabei wieder aus dem Blick zu verlieren. (Das Auge kommt im Gesichtsfeld nicht vor.)

Das letzte Sich-Zeigen der Wirklichkeit ist nur der freien Einsicht zugänglich. Es kann niemandem aufgezwungen werden. Und niemand kann diese Wirklichkeit je restlos begreifen.

Aber wir können miteinander auf sie zu gehen, uns in sie vertiefen und uns gegenseitig durch sie mitteilen. Philosophia perennis (die ewige Philosophie) ist kein erschöpfendes, ewig gültiges System, sondern der unerschöpfliche Vollzug des philosophischen Diskurses. Es lebt vom gegenseitigen Auf- und Hinweis auf die die Grenzen unseres Denkens, durch die wir über sie hinaus gelangen in einem Akt frei vollzogenen Einsehens.

Zeiten, Orte, Menschen – Existenzen …

… eigene Welten, kleine Mittelpunkte des ganzen Seins: überall!

Und ich? Selbst bin ich nichts anderes als das, ausgezeichnet eben nur durch diese bestimmte Individualitätsform. So bin ich das Ganze auf meine Weise, und doch bin ich nicht erfüllt, wie das Ganze sein sollte, sondern begrenzt, verendlicht auf diese meine Form.

Ist sie denn nichts anderes als eben meine Art zu „fehlen“ – meine ganze besondere Weise, das „Nicht“ des Seins, d.i. diese Welt zu sein? Welchen Wert hat das?

Ich bin da, und Dasein als Seinsweise ist wertvoll. Und doch bin ich in meiner Individualität ja nicht gerade zuerst diese Seinsweise, oder doch? Kranke ich daran, dass ich zu sehr diesen Mangel, die Beschränkungen, diese mich individuierenden „Nichte“ im Auge trage – einem Balken gleich?

Was bin ich aber ohne sie? Ist „ohne sie“ nicht wiederum ein „Nicht“? Dialektische Überhebung! Warum „bin“ ich nicht? Und was wollte ich „sein“? Warum sollte „mein Wollen“ sein? „Sein“ soll sein und ist deshalb gut – aber weshalb und was heißt das für mich und mein „Dasein“?

Ich kann ja nur „sein“, wenn ich auch „da“ bin. Daran hängt meine Individualität – mein „Ich“. Aber wie sollte ich es „aufgeben“? Die asketische Distanz zu meinen individuellen Wünschen und Bedürfnissen macht mich nicht zum Sein und würde es nie. Immer bleibe ich „Ich“, „Dasein“, solange ich „bin“. Und hörte „Ich“ auf zu sein, was „wäre“ dann? Anderes Dasein?

„Ohne mich könnt‘ Gott nicht ein Nu leben; denn werd‘ ich zunicht, müsste Er vor Not den Geist aufgeben.“ (Angelus Silesius)

… müßige Gedanken?!

Da bin ich nun, wie ich bin – mit all meinen Grenzen, mir allem, was mich bewegt. Und ich selbst? Bewege ich? Ich meine: Bewege ich nicht nur aus dem Impuls von anderem heraus, sondern wirklich selbst?

Und warum wollte ich dies? Will ich denn wahrhaft ich sein – so wie ich bin? … all das, was ich an mir hasse, was mich geradezu anekelt – einerseits -, all das, was ich „überwunden“ habe, all das, was (vielleicht) „wahrhaft“ „gut“ war – andererseits…

Oh, Du letzter Grund alles Seins, Du mich erhaltender Kern … Du allein „siehst“, was ich bin. Welchen Weg soll ich gehen? Du Unbeschreiblicher – siehst Du die Sehnsucht meines Herzens, die ich niemals recht in diese Welt hinein zu deuten weiß? Hast Du sie mir eingepflanzt? Oder ist sie bloße Frucht meines Wahnes?

Du siehst, wie schwer es mir fällt, was ich (äußerlich und innerlich) alles überwinde – unter Angst und Schmerzen! Es ist so schwer für mich; und das schon bei diesen kleinen Bisschen! Nichts „Großes“ ist in mir, doch wie oft gebe ich mich groß oder größer als andere – dabei bin ich klein, nahezu nichts. – uns selbst das bin ich nicht, weil es schon wieder etwas wäre, auf das ich mich zurückziehen könnte.

Was bin ich?

Mein Herz, wo bist Du? Tief, tief hinab sinkt meine Seele, hinab in altvertraute Gefilde – doch dort bist Du nicht, mein Herz …

Zurück wendet sich mein Geist, hin zu vergangenen Zeiten, die im Rückblick, selbst in ihren dunkelsten Farben, so anziehend schillern – doch auch dort bist Du nicht, mein Herz …

Weit, weit hinaus drängt mein Streben, hinaus in unbestimmte Weiten, die in ihrer unergründlichen Düsternis ängstigen, aber dennoch zu hoffen geben – bist Du dort, mein Herz? Ich sehe Dich nicht.

Sehnsucht, Du Verzehrende, nach Liebe und fürsorglicher Milde gegenüber meinen Fehlern, Sehnsucht nach Anerkennung meiner Selbst und Freude über gemeinsames Sein – bist Du mein Herz?

… mein Herz, können wir gemeinsam sein? Du und ich, miteinander, zueinander ineineinander aufgehend …

… Du fehlst mir so, mein Herz!

… ich brauche Dich!

Wo nur bist Du, mein Herz?

© Mindwalker@posteo.de

Der Gedanke als Element der Liebe

„Leben ist Liebe, und daher ist Leben und Seligkeit an und für sich Eins und ebendasselbe. Unterscheidung des wahrhaftigen Lebens vom blossen Scheinleben. – Leben und Seyn ist auch wieder dasselbe. Das wahrhaftige Seyn aber ist ewig mit sich selbst einig und unveränderlich, der Schein hingegen veränderlich. Das wahrhaftige Leben liebt jenes Eine oder Gott; das Scheinleben das Veränderliche oder die Welt. Der Schein selbst wird nur durch die Sehnsucht nach dem Ewigen getragen und im Daseyn erhalten: diese Sehnsucht wird nun im blossen Scheinleben nie befriedigt, und darum ist dasselbe unselig; dagegen die Liebe des wahrhaftigen Lebens immerfort befriedigt wird, und darum dieses Leben selig ist. Das Element des wahrhaftigen Lebens ist der Gedanke.“
(Johann Gottlieb Fichte, Die Anweisung zum seligen Leben, Ankündigungstext der Vorlesung, in Hamburg: Meiner 2001,V-VI)

Jeder Mensch ist eine besondere Art Mystiker — Mystik aktuell

Foto: © wak Die Männer und Frauen, die wir Mystiker nennen, unterscheiden sich vom Rest von uns lediglich dadurch, dass sie jenen Erfahrungen den Raum geben, der ihnen in unser aller Leben zusteht. Was zählt, ist nicht die Häufigkeit oder Intensität mystischer Erfahrungen, sondern der Einfluss, den wir ihnen auf unser Leben einräumen. Indem wir […]

über Jeder Mensch ist eine besondere Art Mystiker — Mystik aktuell

Eindrücke aus dem Alltag

Die folgenden Eindrücke fliegen zu leicht an einem vorbei, wenn man im Alltag zerstreut ist. Stattdessen sollte man sie zu bemerken lernen. Hinsehen. Sich an der Kunst des Lebens erfreuen.

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Kleine Kunstobjekte findet man überall, wenn man mit Kindern zusammen lebt.

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Man macht Begegnungen eigener Art auf dem Weg selbst zu den stillen Örtchen.

20180708_132753Wir sind Teil dieser Welt und gestalten Sie mit unserem Leben.

20170602_165539Die Realität begegnet uns als Gestaltung.

20180708_140855Was machen wir aus unserem Leben?