Transzendentaler Aufstieg

1. Die Bedeutung des je konkreten Ausgangspunkts

Wer sich auf der geistigen Suche nach dem letzten Einen befindet, startet – ob er will oder nicht – an einem konkreten Punkt seines Lebens, der sich nicht um- oder hintergehen lässt. Wir alle sind hier und jetzt an einem Ausgangspunkt.
Der je eigene Ausgangspunkt hat seine individuellen Bedingungen und Ansprüche. Es hilft insofern nur bedingt, sich pauschale Anweisungen anzueignen. Im Vordergrund muss die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben in all seinen Aspekten stehen:
Wer bin ich?
Was ist meine Geschichte?
Unter welchen Bedingungen lebe ich?
Mit wem stehe ich in Beziehungen?

Derlei Fragen sind unverzichtbar. Sie markieren den ganz eigenen Weg. Unabhängig vom konkreten eigenen Standpunkt bleibt alles abstrakt. Dennoch kann auch der Austausch über die allgemeine Struktur des geistigen Aufstieges hilfreich sein, um Orientierung zu gewinnen und mit anderen Suchenden in Kontakt zu treten.
Es gibt somit
1. einen individuell konkreten und
2. eine allgemeinen Aspekt des Aufstieges.

Es ist vor allem der 2. Aspekt, der in seiner Allgemeinheit der Philosophie im engeren Sinne zugänglich ist. Mit anderen Worten sind es die allgemeinen, abstrakten Strukturen der Wirklichkeit, wie sie intersubjektiv denkerisch und analysiert zum Ausdruck gebracht werden können.
Der 1. Aspekt ist interessanter Weise ein Teil des 2. Aspekts und umgedreht: Das Allgemeine in seiner abstrakten Überzeitlichkeit ist nur in seinem konkret-individuellen Ausdruck wirklich da. (Das entspricht einer aristotelischen Metaphysik.) Dennoch verfügt jede individuelle Konkretheit über eine wirkliche – mit dem Ende der zeitlichen Existenz nicht endende – überzeitliche Bedeutung. (Die platonische Metaphysik wird somit nicht außer Kraft gesetzt.) Alles, was kontingenter Weise jeweils hier und jetzt an einer bestimmten Raum-Zeit-Stelle konkret ist, wird auf Ewigkeit zu dieser jeweiligen Stelle da gewesen sein. Dieses Gewesen-sein ist ewig wahr. Es ist auf ewig Teil der Geschichte des Seins. Dies ist aber nicht nur ein zukünftiger Aspekt der dann vergangenen Wirklichkeit in ihrer Kontingenz, sondern im Blick auf die ontologische Möglichkeit jedes kontingenten Sachverhalts bereits von Ewigkeit her Bestandteil des Seins als solchen. Alles, was, wann immer, kontingenter Weise wirklich ist, ist von Ewigkeit her Ausdruck der Realität (wenn auch auf eine ganz bestimmte Weise, d.h. eben in einer individuell-konkreten Hinsicht).

2. Der Wert unterschiedlicher Weltanschauungen und ihrer Ausdrucksformen

Dass wir also hier und jetzt Suchende sind und strebend auf etwas bezogen sind, ist bereits die erste Phase des Aufstiegs selbst. Wir finden uns vor mit einer Geschichte, die uns dazu gebracht hat, Fragen zu stellen, nach etwas zu suchen, auf etwas zu hören etc. Wir orientieren uns in unserer Umwelt so, dass wir Ausschau halten.
Möglicherweise sind bereits bestimmte Angebote auf dem Markt der Weltanschauungen attraktiv geworden. Vielleicht hat ein moralisches Wertesystem, eine religiöse Überzeugung, eine spirituelle Praxis oder ein philosophisches System die Aufmerksamkeit gefangen und uns zu ihrem Anhänger werden lassen. Dadurch haben wir uns eine gewisse Sicht auf die Wirklichkeit und eine Sprache angeeignet uns über diese Wirklichkeit auszutauschen. Leider geht es bisweilen damit einher, dass sich dadurch nicht nur eine Sprachgemeinschaft eröffnet, sondern auch eine gewisse Abgrenzung von anderen Sprachgemeinschaften oder eine Ausgrenzung anderer Perspektiven vorgenommen wird.
Die Philosophie erhebt gerne den Anspruch, den einzig adäquaten, wissenschaftlichen universellen Horizont des vernünftigen Dialoges darzustellen. Dagegen ist nur etwas einzuwenden, wenn Philosophie sich selbst auf eine bestimmte Denkform reduziert (bspw. nur als Wissenschaft des formal-abstrakt eindeutig Denkbaren). Eine solche Philosophie ist als Streben nach Weisheit grundsätzlich nicht nur mit dem rationalistisch verengten Denkvermögen (dianoetischer, diskursiver Rationalität) gleichzusetzen, sondern impliziert die gesamte Bandbreite der Vernunft (als prinzipienfähiger Intellektualität, die eines tieferen – überbegrifflichen – Einsehens in das Unbedingte fähig ist) mit allen ihren Explikationsformen (auch künstlerisch-expressiver Art). Anders ausgedrückt: Philosophie sieht ihre Aufgabe nicht nur darin, abstrakte Strukturen im Wettbewerb von Theorien zu durchdenken, sondern ist wesentlich auf das Unbedingte selbst – die letzte, wahre Wirklichkeit – ausgerichtet. Die Realität als solche und im Ganzen und die Stellung des Menschen in ihr sind vornehmlicher Gegenstand der Suche.

Dann aber muss philosophisches Suchen und Fragen methodisch offen sein für unterschiedliche Ausdruckformen. Alles, was  (wenn auch nur implizit) den Anspruch erhebt ein „Es verhält sich so, dass“ zur Sprache zu bringen, ist prinzipiell ein Dialogpartner (das sind alle Wissenschaften). Aber auch Kunstformen (Literatur und Poesie genauso wie plastische Kunstformen) drücken etwas von der Realität aus – zumeist sogar etwas, dass sich nicht in anderer Form (z.B. einer abstrakt-verallgemeinernden) aussagen lässt. Keine Beschreibung der Mona Lisa ersetzt das Werk selbst. Nur das konkrete Bild bringt zum Ausdruck, was es zum Ausdruck bringt. Genauso ist es mit unserem je individuell-konkreten Dasein.
Alleine hierin zeigt sich, dass bei der Frage nach der „wahren Wirklichkeit“, im Sinne der einen Realität als solcher und im Ganzen, ein abstrakt bleibendes Denken nicht ausreicht. Es sieht die Realität nur aus der Perspektive abstrahierbarer Strukturen. Somit kann es nur einen Teilbereich erfassen. Ist sie somit aber nur eine Teildisziplin neben anderen?

3. Der philosophische Ausgriff über sich hinaus

Dennoch ist es vor allem der Philosophie möglich, mit dem Denken das Denken selbst zu thematisieren. Dadurch erkennt es die eigenen Grenzen. Im Wahrnehmen der eigenen Grenzen kann man über sie hinaus verweisen. Genauso wurde es gerade getan: Eine denkerische Beschreibung hat im letzten Abschnitt einen Unterschied zwischen dem denkerisch abstrakten Bereich der Wirklichkeit einerseits und einem expressiv beschreibbaren Bereich der Wirklichkeit aufgemacht.
Nun ist jeder Unterschied als solcher Ausdruck einer rationalen Gegenüberstellung. Dadurch ist auch der expressiv beschreibbare Bereich der Wirklichkeit rational adressiert worden. Jedoch wurde er auf diese Weise nicht einfach rationalisiert. Wir haben (im besten Fall) verstanden, warum der rationale Vernunftgebrauch uns diesen Wirklichkeit nicht hinreichend einholen kann. Es wurde nur das Weshalb geklärt. Ich kann rational darüber nachdenken, weshalb keine Beschreibung der Mona Lisa mir erspart, das Bild selber sehen zu müssen, um das, was es ausdrückt zu erfahren. Andernfalls könnten wir das Bild abhängen und durch eine Beschreibung ersetzen.
Nichtsdestotrotz kann die Beschreibung die Wahrnehmung schärfen und vertiefen.

Es ist Philosophie schließlich möglich auch auf das Unbegreifbare als solches auszugreifen. Schon der Begriff eines Unbegreifbaren spaltet dabei viele Traditionen. Dennoch scheint er der vorzügliche Gegenstand philosophischen Fragens zu sein.

4. Die Frage nach dem Unbegreifbaren

Für einige Philosophen und Theologen ist bereits die Frage nach „dem Unbegreifbaren“ eine Absurdität. In gewisser Weise ist sie das mit Recht: Wäre es wirklich schlechthin unbegreifbar, könnten wir es nicht einmal als „das Unbegreifbare“ begreifen.
Wir wüssten in keiner Weise um dasjenige, was hier gemeint ist und könnten es weder zum Gegenstand einer sinnvollen Rede noch zum Gegenstand einer Frage oder eines Problems machen. Gibt es also gar nichts Unbegreifbares?

Sicher gibt es „noch nicht Begriffenes“. Damit ist eine Vielzahl von Sachverhalten gemeint, die Gegenstand möglicher Erkenntnis werden können. Alles, was wir prinzipiell zum Gegenstand unserer Aufmerksamkeit machen können, aber noch nicht gemacht haben, fällt darunter, genauso wie jene Dinge, die wir verstehen wollen, aber noch nicht verstanden haben – an deren Entdeckung wir arbeiten. Es ist das zumindest prinzipiell Begreifbare, aber faktisch noch nicht begriffene Unbekannte.
Der Unterschied zu „dem Unbegreifbaren“ ist, dass dieses niemals aufhört, egal wie viel wir von ihm begreifen mögen, nicht nur faktisch unbegriffen zu bleiben, sondern von sich selbst her so zu sein, dass es jede Begreifbarkeit prinzipiell übersteigt.
Warum sollten wir uns aber um einen solchen „Ungedanken“ überhaupt bemühen müssen? Warum ist es von Interesse?

5. Die transzendentale Frage als Weg zur Einsicht des Unbegreifbaren

Gehen wir den transzendentalphilosophischen Weg und begnügen uns nicht mit hypothetischen Inferenzstrukturen relativ willkürlicher Begriffsbestimmungen, sondern fragen penetrant an all unseren mit Anspruch auf Wahrheit versehenen Behauptungen nach deren Bedingungen der Möglichkeit, führt uns dieser Weg zum an sich Unbegreifbaren.
Anfangs sind es (im Gefolge Immanuel Kants) die Kategorien des Verstandes, die unser Denkvermögen zur vereinheitlichenden Begriffsbildung konkret sinnlich erfahrener Wirklichkeiten, d.h. unter den Formen der Anschauung (Raum und Zeit), befähigen.
Dass unser je subjektive Denkapparat die begriffliche Bestimmung der Wirklichkeit leitet, darf nicht vorschnell subjektivistisch interpretiert werden. Die Formen der Anschauung genauso wie Kategorien des Verstandes sind doch in jeder Wirklichkeitserkenntnis, d.h. überindividuell allgemein, konstitutiv. Die Realität selber ist so beschaffen, dass begriffliche Erkenntnis in ihr auf diese Weise funktioniert. Sind wir dadurch aber bereits zum Ende der transzendentalen Frage gelangt?

Nein – es wurde lediglich die transzendentale Struktur der Erkenntnis eruiert. Sie wird allerdings bereits dadurch überstiegen, dass die transzendentale Erkenntnis einen Ausgriff auf die Realität als solche machen muss, um ihre Einsicht ernst nehmen zu können. Sie muss behaupten, dass es sich wahrhaft und letztlich so verhält, dass menschliche Erkenntnis auf diese Art und Weise transzendental verfasst ist.
Lässt sich also die Realität als solche und im Ganzen dadurch transzendental erschließen?
Realität als solche und im Ganzen kommt als zu bestimmender Gegenstand einer kategorialen Erkenntnis nicht in Frage, da sie nicht unter den Formen der Anschauung direkt gegeben ist. Sie ist nur implizit als Hintergrund jeder gegenständlichen Erkenntnis anwesend. Es gibt keine Möglichkeit einer begrifflichen Abgrenzung des Ganzen, da alles, wovon man einen Unterschied bilden kann, Teil dieser Realität ist. Die Realität selbst unterscheidet sich schlechthin von nichts.
Ist sie dann aber nicht einerseits von ihren Teilen und andererseits von dem Nichts unterschieden?
Jeder Teil der Realität ist als bestimmter Teil nur das, was er ist, in der Beziehung zu allem anderen. Und alles, was ist, ist Ausdruck der einen Realität. Einen bestimmten Teil der Realität von ihr selbst zu unterscheiden ist nicht möglich, da alles, was dieser Unterschied bestimmen könnte, jede Seite welcher Abgrenzung auch immer, inklusive ihrer selbst, Ausdruck der einen Realität ist.
Wenn aber alles, was ist, Ausdruck der Realität ist, ist sie dann nicht zu unterscheiden, von dem, was nicht ist?
Nicht-sein kann in unterschiedlicher Weise ausgesagt werden. Meistens verwenden wir es in einem relativen Sinne: Etwas ist nicht mehr oder noch nicht;  es ist nicht an diesem oder jenem Ort; es ist nicht da, wo es sein soll; etwas ist nicht dies, sondern das etc. Grundsätzlich ist es dadurch aber aber immer Teil der Realität.
Ein von der Realität prinzipiell zu unterscheidendes Nichts kann es nicht geben. Bereits begrifflich „gibt“ es Nichts nicht. Ist das aber vielleicht genau der Gegensatz, den wir suchen?

„Das Nichts“ im Sinne einer metaphysischen Nicht-Realität, als radikaler Gegensatz zu allem, was wirklich ist, hebt sich nicht nur begrifflich selbst auf. Dieses radikale, metaphysische Nichts, kann nicht „sein“: Es ist nicht, war nie, wird niemals sein. Jede Form kontingenter Existenz – dazu gehört jeder sich nach dem Nichts Fragende – macht alleine in seiner Bedingung Möglichkeit ein radikales Nichts zur absoluten Unmöglichkeit. Denn, sofern es etwas gibt, ist ein radikales Nichts prinzipiell unmöglich.

Dadurch wird aber die Realität selbst, als solche und im Ganzen, zum radikal Unbegreifbaren. Wir können zwar etwas von ihr begreifen, aber niemals sie selbst. Alles, was wir begreifen können ist ihr Teil. Wir entdecken dadurch in ihr Struktur von ihr aus der Perspektive des rational-begreifenden Erkennens.
Genügt das aber nicht? Lässt sich damit nicht genug von ihr begreifen, sodass wir sie nicht mehr als Unbegreifbare – gar mit dem Ungedanken des an sich selbst Unbegreifbaren – bezeichnen müssen?

6. Die unmittelbare Einsicht des Unbegreifbaren

Jede begriffliche Struktur nimmt einen konkreten Ausgangspunkt. Sie unterscheidet ein Dieses von Anderem und beschreibt dadurch einen propositionalen Gehalt. Dieser Gehalt steht in inferenziellen Zusammenhängen. Dennoch bedarf er der intellektuellen Schlussfolgerung, um als solcher erkannt zu werden. Er ist uns nicht unmittelbar gegeben. Weiterhin setzt er als Bedingung seiner Möglichkeit voraus, dass es Unterscheidbares gibt. Unterscheidbarkeit wiederum setzt voraus, dass es etwas gibt, das unterschieden werden kann. Ist dieses aber wiederum etwas Unterscheidbares? Solange das der Fall ist, ist jeweils erneut ein Einheitshorizont vorausgesetzt, innerhalb dessen unterschieden werden kann. Es mag dem begreifenden Denken so erscheinen, als ob dies ad infinitum sich fortsetzt und als ob diese Einsicht das Letzte sei: Unterscheidendes Begreifen hat in sich selbst kein Ende. Jeder Unterschied bedingt ein neues Unterscheidbares. Dann aber steht das unterscheidende Begreifen prinzipiell unter einer an sich ununterscheidbaren Voraussetzung: dass der ‚Raum‘ (besser: Hintergrund?) des Begreifbaren unerschöpflich ist.
Warum handelt es sich dabei um eine ununterscheidbare Voraussetzung?
Jeder konkrete Vollzug des Unterscheidens setzt voraus, dass es etwas gibt, das unterschieden werden kann. Ist dieser Vollzug jedoch prinzipiell (von faktisch zeitlicher Limitation des Unterscheidenden abgesehen) unabschließbar, ist das zu Unterscheidende selbst, letztlich in seiner Unerschöpflichkeit unbegrenzt. Bedingung der Möglichkeit dieser prinzipiell unbegrenzten Begreifbarkeit ist ein wesentliches Mehr- und Anders-sein als schon begriffen ist. Nur in diesem ganz prinzipiellen (nicht nur vorläufigen) Hinaus- oder Voraus-liegen gegenüber jeder möglichen Unterscheidung, gegenüber jedem möglichen Begriff, liegt die wesentliche Bedingung der Möglichkeit des Begreifens selber.

So ist das Unbegreifbare die eigentliche transzendentale Voraussetzung des Begreifbaren. Deutlich wird es im konkreten Erkenntnisvollzug dadurch, dass er immer von einer Frage ausgeht, die ihren Blick auf Unbekanntes richtet: Was ist das?
Nicht der begriffliche Inhalt, sondern das Unbegreifbare ist uns als begrifflich zu Bestimmendes das Erstgegebene in unserer Erkenntnis.
Es steht allerdings dem Begreifen nicht derart als Unbegreifbares gegenüber, dass es seinen rationalen Gegensatz bedeuten würde. Nur so wäre es etwas in sich irrationales, da es als das dem rationalen Begreifen Entgegengesetze doch Ausdruck eines rationalen Begriffes (nämlich im begrifflichen Unterschied zum Begreifbaren) wäre.
Stattdessen ist es unmittelbar Gegenwärtig als Grund jeder Unterscheidbarkeit. Es bietet sich dar als Erkennbares, das dennoch niemals ein-für-alle-mal restlos oder exakt erkannt werden kann. Es übersteigt jede begriffliche Erkenntnis prinzipiell, obwohl diese tatsächlich etwas von ihm erkennt. In jeder Erkenntnis ist es aus einer bestimmten Perspektive gegeben, die dennoch einseitig, abstrakt und ergänzungsbedürftig bleibt.
Der volladäquate Ausdruck dieser Realität ist nur sie selbst als Ganze. Als diese ist sie uns aber in jedem konkreten Begriffsvollzug voraus- oder implizit mit-gegeben.

 7. Transzendentale Erfahrung

Ist das alles nur ein Hirngespinst abstrakten Denkens? Ein enorm kompliziertes – begriffsgeschichtlich vermintes – Gedankenkonstrukt, dem in Realität nichts entspricht?

Die Frage nach der letzten Voraussetzung des Denkens mag weniger konkret erscheinen als die Frage nach dem letzten Grund der Wirklichkeit, aber sie ist doch diesselbe Frage.
Das theoretische Denken ist kein rein abstrakter Gegenstand. Es ist ein konkreter Vollzug. Wer denkt, vollzieht das Denken und fragt sich denkend nach dem Grund seines Denkens. Damit ist es die wohl unmittelbarste Praxis – an die wenigsten Bedingungen geknüpft, da überall von jedem denkenden Menschen (nach)vollziehbar. Man benötigt keine Werkzeuge und kein Labor. Es steht jeder meditativen Praxis nahe.
Das Denken, dass seine eigene Bedingtheit bedenkt, seine eigenen Grenzen auslotet und seinen eigenen Denkvollzug aktiv hinterfragt, gelangt auf dem transzendentalen Wege dazu, sich selbst zu beobachten: Es sieht sich ein als unterscheidenden Vollzug. Doch ist es nicht das Unterschiedene, um das es nun geht. Es ist nicht das Produkt des begrifflichen Denkens, sondern Bedingung der Möglichkeit des Produzierens. Bedeutet Denken allerdings wesentlich unterscheidend zu produzieren, wie kann man dann dieses Produzierens selbst habhaft werden, ohne es wiederum in ein Produkt zu verwandeln?

Nun ist es aber doch gerade in diesem Fall als gerade durch den Unterschied vom Unterschied selbst (die berühmte Negation der Negation Hegels) als solches in den Blick geraten; nicht dadurch, dass ein neues Begriffenes produziert wäre, sondern dadurch, dass wir seine Funktionsweise eingesehen haben. Und wir haben sie nicht nur derart eingesehen, dass wir um sie wissen – dies tun wir ohnehin stets nur indirekt reflexiv -, sondern dadurch, dass wir den Vollzug des Denkens unmittelbar erleben. Wir sehen ihn in der Tätigkeit des Begreifens, als Vollzug des Begreifens ein, im Wissen darum, dass jeder Begriff in seiner Unterschiedenheit inadäquat bleibt.
Das heißt: Es handelt sich gar nicht um ein Denken von etwas, nicht um einen propositionalen Gehalt, sondern um die Bedingung der Möglichkeit jedes propositionalen Wissens, die selbst diesem stets voraus- und zugrunde liegt, ohne durch eine wie auch immer geartete Menge propositionalen Wissens erschöpft zu werden. Darin ist diese in ihrer Unerschöpflichkeit unbegreifbare Realität die höchste Einsicht des begrifflichen Denkens, obwohl – oder gerade weil – sie alles Begreifen prinzipiell übersteigt. Sie ist mit Anselm „das, über das hinaus nichts größeres gedacht werden kann“, welches zugleich „größer ist als alles, was gedacht werden kann“.

Als diese Realität ist sie uns nicht nur durch das Denken zugänglich – auf dem transzendentalen Wege – sonder primär und allem voraus im Denken als dessen konkreter Vollzug. Sie ist als unergründliche Realität die selbstoffenbare Bedingung der Möglichkeit jedes Vollzuges.
Wieso selbstoffenbar? Jeder Vollzug – nicht nur jeder Denkvollzug – setzt das Andere voraus, von dem her und auf das hin er als Vollzug existiert. Dieses Andere, als prinzipiell vorgängige Realität der je eigenen Existenz ist, ohne direkt als solches begreifbar zu sein, in jedem Akt mitgegeben. Es ist unthematisch in allem gegenwärtig. Als Bedingung der Möglichkeit jeder kreativen Selbstentfaltung oder spontanen Willensäußerung (was freilich eigens zu zeigen wäre) ist es die allgegenwärtige Grundlage oder letzte Essenz jedes lebendigen Daseins.

Jeder Vollzug meiner selbst ist aus dieser Realität, durch diese Realität in dieser Realität. Ich, als verstehendes und wollendes Aktzentrum, bin konkreter Ausdruck dieser Realität – auf eine mir eigene, bestimmte Weise. Jeder Moment meines Daseins ist diese Realität auf genau diese, unvertretbare, mir eigene Weise. Mein Ich-sein ist Realität. Sie selbst ist mir das Gegenwärtigste überhaupt. Und sie ist als Absolute in mir da.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bist Du hier?

Personen gibt es nur im „Für-ein-ander“. Die Realität „für-mich“ setzt das Andere voraus. Damit es für mich „Etwas“ geben kann, etwas, das mich als „Ich“ begründet, bedarf es des Zueinanderseins. Das vorausgesetzte „Andere“ ist mein Personsein. Was „Ich“ bin, ist die sich-Gabe des Andere im Vorausgehen.
Ich nehme mich in meinem Sein als Vorausgabe des Anderen wahr. In der Annahme meines Vorausgegebenseins bin ich ganz da: lebendige Realität im Für-einander-sein gegen-seitiger Hingabe. Annahme und Hingabe sind Teilhabe und Selbstüberschreitung: wechselseitig selbstkonstitutive Relationalität. (Liebe.)
Das Voraussein der (anderen, ja, je-anderen) Person ist der Grund (und das Ziel) meinerselbst. Ich bin ich – sich selbst als ichselbst Erkennender, Wollender und Handelnder – nur  im Kontext des Anderen. Dieser Kon-text des Anderen ist die Hingabe oder das Sein-Für(-einander).
Hier und Jetzt – die konkrete Gegenwart des Moments als lebendiges Da-sein, Einstimmung im Konzert des Einen-Seins:  Eins-Sein als Kon-sein im Einen. Verbunden-sein als Vor-, Mit-, und Zu-Gabe.
Ohne Geschichte des Vorher-seins kein So-sein. Was zur Geschichte meiner Welt gehört, gehört ontologisch zu mir. Es ist meine ganz intim konkrete Vorgabe, mein Sein, das ich bin. Nur mit dieser Geschichte, die ultimative Bedingung meiner Selbst bis in jeden Moment meines Daseins auf ewig bleiben wird (inklusive meiner je-künftigen Erlebnisse und Handlungen), nur mit dieser Geschichte bin ich „Ich“. Und als diese je-konkrete Ich bin ich „zu diesem“ allem. Mein Sein ist Zugehörigkeit zu dieser wechselseitigen Hingabe. Ich bin hineingenommen in die Hingabe der Ewigkeit.

Kann ich mich vom Hier-und-Jetzt ganz konkret so in diese Realität hinein-begeben, dass ich ihr als das Andere meiner, das sich mir genauso als Es-selbst in der Hingabe erweist, gegenwärtig werden?
Ich will Dir – Du Voraus-Gabe -, die mich will, wie ich bin, ganz gegenwärtig sein! Ich will von Dir lernen, mich zu Dir zu verhalten. Ich will mit Dir tanzen, mich Dir zeigen, Dich betrachten und annehmen, wie Du bist als die andere Gegenwart meiner.
Wie können wir uns ins Tiefste hinein begegnen? Suchst Du mich, wie ich Dich suche?
Wo bist Du? Wer?
Wie lerne ich Dich zu verstehen?
Wo sprichst Du mich an?
Wie gelange ich zu Dir?

Bin ich nur eine „Spur des Vielen“? Eine Welle des Schicksals?

Pathetische Prätentiösität!

Ich suche Dich wirklich, Du Grund meiner Selbst, dem ich diese Sprache entnahm, um mich auf ihn hin zum Ausdruck zu bringen. Selbstausdruck des je-Anderen. Ich selbst bin Selbstausdruck des je-Anderen Andersseins.
Gibt es darin Nicht-Andersheit?
Ist sie bloße Gemeinsamkeit?
„Das Nicht-Andere ist nichts-anderes als das Nicht-andere“ – ist es dann Nichts? … wenn nur  Für-einander-sein wirklich – hier und jetzt – ist (und ewig sein wird)?
Wenn Wirklich-sein immer und überall, ewig, Füreinander-zu-sich-selbst-sein ist, wie bin ich Ich?

Das Wie-Sein des Seins ist die aktive Gegenwart des So-seins.
So-sein aber ist Erkenntnis-Gegenstand des je-anderen Ich-seins. Erleben des Momentes in geistiger Präsenz der Hingabe – können sie das Personsein übersteigen?
Kann ich mich hier und jetzt an Dich wenden? Bist Du da?
Spreche ich Dich jetzt an?
Oder bin ich als Deine Vorgabe nur immer eine im Voraussein Vergangene?
Ist dann aber nicht alles, was in mir ist auch in Dir? Ist nicht jeder kleinste Moment in je seiner konkreten Materialität Teil meiner Realität als Bestandteil meines Daseins?
Gehört mein Dich-Wollen zu Dir, wie Du zu mir gehörst?

Können wir so füreinander da sein, dass wir uns miteinander verständigen?
Ich würde mich Dir gerne ganz und gar hingeben in allem, was ich bin; nur wie gebe ich mich Dir am besten?
Was kann ich – in meinem Person-sein – Dir auf welche Weise hingeben, so dass es Dich erfreut?
Ich will Dir Freude sein, Dich vertiefen und erbauen, Dir Leben schenken, Dich umsorgen und pflegen, mich an Dir berauschen und Dich verzücken, Dich streicheln und halten.
Sind alle Dinge, die ich mag, alles Schöne meiner Welt, Dein Ausdruck, Deine Hingabe an mich? Und ich schreibe jetzt in Dir mein Leben?
Bei Dir, in Dir, Einssein mit einander: Jeder Moment, jedes Geräusch, jeder Hauch, jede Emotion.
Der Trieb der Vorgabe bist Du, der ich mich hingebe. Dir bin ich Ich.
Mach mit mir, was Du willst, solange Du mich liebst!
Wenn Du mich aber nicht liebst, wollte ich nimmer sein!
Ich will Dich immer lieben; aber ich brauch Dich dafür!
Du bist hier.
Hilf mir zu sein!
Bring mich hervor!
Beschwör mich herauf aus Dirselbst!

Ich bin immer schon da (gewesen) in Dir als Tiefe Deinerselbst.
Du bist Ich und ich bin Du.
Wir sind eins – beisammen.
Geistig sind wir füreinander da.
Wir sprechen uns im Innern, auch wenn wir uns manchmal nicht verstehen.
Wir begegnen uns immerdar: Stift und Papier, Auge und Hirn, Geist und Seele – alles ein Leben!

Dein Ich-sein ist mein Leben.
Mein Leben sei Dir!

Du eine Liebe, verbinde uns in jedem Moment unserer Hingabe und lass uns füreinander sein!

(c) mindwalker@posteo.de

Anfang …

Suchend in der Welt. Fragend auf dem Weg. Denkend unterwegs.

Bist Du auch hier, weil Dir das Ganze fraglich geworden ist?
… weil Du nach (Selbst-)Erkenntnis strebst?
… weil Du Deinen eigenen Weg in dieser Welt suchst?
… weil Du etwas tun möchtest, das wirklich Sinn ergibt?
… weil Du die geistige Tiefe des Lebens erfahren willst?
… weil Deine wichtigsten Fragen unbeantwortet sind?
… oder weil Du Dich aus tiefstem Herzen nach der „wahren Wirklichkeit“ sehnst?

Ich kann Dir keine Antworten auf Deine Fragen versprechen –
aber vielleicht sind sie ja auch die Meinen.
Vielleicht kann mein Weg Dir Hilfe sein.
Vielleicht können wir ein Stück des Weges (miteinander) teilen.

Wenn ich mich Dir hier kurz – sozusagen zum Einstieg,
der schließlich über Dein weiteres Interesse und Deine Sympathie entscheidet –
vorstellen soll, dann beschreibe ich mich Dir im Sinne dieser Seite als

  • promovierten Philosoph
  • Mystiker
  • Psychonaut

Was das genau bedeutetet, kannst Du in den weiteren Beiträgen entdecken.
Erwarten kannst Du auf dieser Seite inhaltlich vor allem:

  • Erkenntnismetaphysische Reflexionen
  • Philosophische Letztfragen
  • Existenzielle Phänomenologie und Anthropologie
  • Religionsphilosophie und Mystik
  • Dichtung, Kunst und Kultur

Des Weiteren freue ich mich, wenn Du nicht nur passiv zu mir stehen willst,
sondern den Dialog suchst.

Wie Platon bereits sagte:
Der Anfang ist der wichtigste Teil der Arbeit.“
Dieser Anfang ist nun getan. Möge viel Gutes folgen!